Wie alle Körper unterliegen auch Luftmoleküle
der Schwerkraft. Die Luft hat deshalb eine bestimmte Gewichtskraft. Diese
Gewichtskraft (Masse mal Beschleunigung) ist abhängig von der Masse
(Volumen mal Dichte). Nach den Gasgesetzen besteht ein Zusammenhang zwischen
der Dichte, dem Druck und der Temperatur eines Gases.
Bei Normaldruck und
einer Temperatur von 0°C beträgt die Gewichtskraft von 1 dm³
Luft 12,68 kN. Durch ihre Gewichtskraft übt die Luft, auf alle in
ihr befindlichen Körper einen Druck aus, den man als Luftdruck bezeichnet.
Der Luftdruck auf eine bestimmte horizontale Fläche ist im Ruhezustand
der Atmosphäre gleich der Gewichtskraft der darüber lagernden
Luftsäule. Durch den Druck der über der Fläche befindlichen
Luftschichten werden die darunter liegenden zusammengepresst und in eine
Spannung versetzt, die dem durch die Gewichtskraft verursachten Druck das
Gleichgewicht hält. Da der Druck innerhalb der Luft in gleicher Weise
wie innerhalb einer Flüssigkeit allseitig wirkt und deshalb ein Körper
unter seinem Einfluss im Ruhezustand bleibt, ist er nicht ohne weiteres
feststellbar. Es hat daher erst besonderer Methoden bedurft, um den Luftdruck
nachzuweisen. Drei Namen sind mit der Erforschung des Luftdrucks eng verbunden,
der des Italieners Torricelli, des Franzosen Pascal und des Magdeburger
Bürgermeisters Otto von Guericke. Torricelli führte im Jahre
1643 folgenden Versuch aus:
Er nahm eine an der einen Seite geschlossene Glasröhre
und füllte sie mit Quecksilber. Dann verschloss er die Öffnung,
kehrte die Glasröhre um und stellte sie in ein mit Quecksilber gefülltes
Gefäß. Nach Freigabe der Öffnung konnte er beobachten,
dass das Quecksilber in der Glasröhre nur bis zu einer
bestimmten Höhe absank. Darüber musste
ein luftleerer Baum entstanden sein. Torricelli vermutete, dass die wirksame
Kraft, die das Quecksilber in der Glasröhre hält, durch den Luftdruck
hervorgerufen wird. Er überwand damit die Vorstellungen der damaligen
Zeit, dass das Quecksilber wegen der Scheu vor leeren Räumen (horror
vacui) nicht aus der Röhre ausfloss. Mit seinem Versuch erfand Torricelli
im Prinzip das Instrument zum Messen des Luftdrucks, das Barometer. Den
eindeutigen Beweis für die Wirkung des Luftdrucks erbrachte im Jahre
1648 Pascal, auf dessen Anregung gleichzeitig in der Ebene und auf einem
hohen Berg Messungen nach dem Prinzip Torricellis angestellt wurden. Dabei
konnte man an beiden Orten unterschiedliche Höhen der Quecksilbersäule
beobachten. Berühmt geworden ist der Versuch, den Otto von Guericke
zum Nachweis des Luftdrucks am 8. Mai 1654 auf dem Reichstag in Regensburg
vorführte. Er setzte zwei große kupferne Halbkugeln zusammen,
pumpte die Luft heraus und spannte an jeder Seite 8 Pferde an. Diese vermochten
nicht, die beiden Halbkugeln auseinanderzuziehen, weil beide Halbkugeln
durch den darauf lastenden Luftdruck zusammengedrückt wurden. Die
physikalische Erklärung des Torricellischen Versuches ist, dass der
Luftdruck auf das Quecksilber in dem Gefäß wirkt, sich dem Quecksilber
in der Glasröhre mitteilt und es soweit empordrückt, bis die
Gewichtskraft der Quecksilbersäule der Gewichtskraft einer Luftsäule
gleichen Querschnitts wie bei einer Waage das Gleichgewicht hält.
Der Druck ist physikalisch als Kraft/Fläche
definiert. Da Kraft gleich Masse mal Beschleunigung ist,, hängt der
Druck bzw. die Gewichtskraft eines Körpers von der Fallbeschleunigung
ab. Wegen der Abplattung der Erde ist die Entfernung zum Massenmittelpunkt
an den Polen kleiner als am Äquator. Außerdem ist an den Polen
die Zentrifugalkraft nicht wirksam. Als Folge dieser beiden Tatsachen nimmt
die Fallbeschleunigung und damit die Gewichtskraft von den Polen zum Äquator
in gesetzmäßiger Weise ab. Wenn man mit einem Quecksilberbarometer
vergleichbare Messungen erhalten will, muss man eine Korrektion auf einen
mittleren Wert der Fallbeschleunigung (Normfallbeschleunigung) vornehmen.
Diese entspricht etwa der Fallbeschleunigung auf 45° Breite. Da die
Gewichtskraft der Quecksilbersäule durch Messung ihrer Länge
festgestellt wird, die Länge der Quecksilbersäule aber von der
Temperatur abhängig ist, muss eine weitere Korrektion auf eine Temperatur
von 0°C durchgeführt werden. Sollen Luftdruckmessungen eines Gebietes
verglichen werden, wie in der synoptischen Meteorologie, ist außerdem
noch die Höhe des Beobachtungsortes zu berücksichtigen, denn
die Luftsäule über zwei Orten mit unterschiedlicher Höhenlage
sind verschieden lang und üben infolgedessen einen verschiedenen Druck
aus. Es muss daher eine Reduktion auf ein einheitliches Niveau, die Höhe
des Meeresspiegels oder Normalnull (NN), vorgenommen werden. Als mittleren
Luftdruck hat man den Druck angenommen, der dem Druck einer Quecksilbersäule
von 76 cm Länge bei 0°C und dem Normwert der Fallbeschleunigung
entspricht. Er wird als Normdruck bzw. physikalische Atmosphäre bezeichnet.